Windrad versus Mistral

svoop

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Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 19.04.2015 - 21:51 Uhr  ·  #45485
Bonjour!

Mein Segelflug-Club in der Nähe von Avignon hat ein Problem: Er ist nicht an das Stromnetz angeschlossen und daran wird sich in den nächsten 10 Jahren wohl auch nicht viel ändern. Drei Solarpanele füttern eine kleine Batteriebank, was immerhin für das Laden der Flieger-Batterien und ein paar kleinere Verbraucher reicht. Aber wenn die Sonne untergeht, ist der Spass schnell zu Ende.

Daher möchten wir die Batteriebank vergrössern und eine kleine WKA danebenstellen. Die meisten Dauerverbraucher sind kleine Geräte, aber auf dem Wunschzettel steht auch ein 12V Kühlschrank. Unter dem Strich sollten wir aber mit einem Windrad im Bereich von 300W bis 600W hinkommen.

Weil wir an den Fliegern die ganze Zeit zu schrauben haben, möchten wir die WKA nicht auch noch selber bauen. Bei der Auswahl eines passenden Windrades haben wir aber ein standortbedingtes Handicap: den Mistral.

Statistisch gesehen weht hier jeden dritten Tag der Mistral das Rhonetal herunter. In der Fläche weht dieser Nordwind einigermassen laminar, aber nicht konstant. Die Geschwindigkeiten variieren von 5 m/s an Tagen mit schwachem bis 20 m/s an Tagen mit starkem Wind, wobei die Böen selten bis zu 40 m/s erreichen.

Als Standort kommen das Hangardach (ca. 5m Giebelhöhe) oder ein ähnlich hoher Mast in der Nähe des Hangars in Frage. Hier die Ansicht auf Google, wobei die Bilder etwas veraltet ist. (Das Clubhaus südöstlich vom Hangar hat inzwischen ein Feuerteufel eingeäschert und das neue ist noch in Planung.)

https://goo.gl/maps/yjjIE

Ich habe mich die letzen paar Stunden quer durch das Forum gelesen und mir die Details von einigen Windrädern angeschaut, etwa der ziemlich beliebten Blacks. Die Nennleistungen sind meistens so um die 10 m/s erreicht, was aber nicht so leicht ersichtlich ist: Wann schlagen die Sturmsicherungen an? Und welche Sturmsicherung ist in unserem Fall eher geeignet, es wäre ja ein Jammer, wenn das Windrad an einem mässigen Mistraltag die meiste Zeit nach hinten geklappt stillsteht.

Hat jemand eine Idee, in welche Richtung ich hier am besten weitersuche? Ich bin für jeden Tipp dankbar.
-sven

dig-it

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 19.04.2015 - 23:15 Uhr  ·  #45486
Salut Sven,

Euer Platz liegt in einer Windregion, die jeden Betreiber einer kleinen Windenergie-Anlage träumen lässt. Bei Euch würde meine Skystream 3.7 betriebswirtschaftlich rentabel arbeiten, selbst angesichts der niedrigen französischen Strompreise.

Ich kenne mich ein wenig in Eurer Gegend aus und würde sagen, Wind oberhalb von 15 m/s ist schon wirklich häufig, über 20 m/s - sogar über längere Perioden - nicht selten und über 30 m/s keine Rarität. Das heißt für mich, alle Anlagen, die oberhalb von 16 m/s aus dem Wind gehen, sind nicht wirklich sinnvoll. Es muss also etwas Solides sein - und es sollte viele Jahre zuverlässig halten.

Ich weiß jetzt nicht, wie Euer Club strukturiert ist, und welche finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Aber wenn meine Informationen stimmen, dann ist ERDF verpflichtet, sich an den Kosten eines Insel-Systems zu beteiligen, wenn das öffentliche Stromnetz nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Dann könntet Ihr möglicherweise für eine größere Anlage optieren, mit der sich etwa ein Clubhaus (Küche, Kühlung etc.) versorgen lässt. Oder sogar eine Elektro-Winde, falls Ihr nicht beständig F-Schlepp macht. Erkundige Dich einmal bei der ADEME Eures Départements, welche Hilfen Ihr bekommen könnt. Noch immer werden KWA in Frankreich hoch subventioniert, und da solltet Ihr Euch möglicherweise für eine größere Lösung entscheiden. Die könnte dann zum Beispiel auch einen Elektro-Scooter versorgen, mit der das Schleppseil zurück zum Startplatz gezogen wird...

Und leistungsstarke Kühlschränke sind ja in Segelflug-Clubs durchaus sinnvolle Ausstattungs-Elemente... ;-)

Dieter

svoop

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 20.04.2015 - 10:38 Uhr  ·  #45487
Hallo Dieter

Es ist eher unwahrscheinlich, dass die ERDF fördern müsste, denn das Flugfeld hat die Gemeinde vor ein paar Jahren geschenkt bekommen. Für einen Anschluss ans Stromnetz müsste entweder eine rund 1km lange Leitung neu gelegt oder eine bestehende zum VOR (Funkfreuer) am gegenüberliegenden Ende des Flugfelds verstärkt werden. Beide würden grösstenteils auf dem Flugfeld verlaufen, also auf dem Grund der Gemeinde. Und die zeigt wenig Interesse, Geld zu investieren.

Aber ich werde trotzdem etwas in Richtung der Fördertöpfe gründeln. Wenn nicht ERDF, dann gibt es vielleicht noch andere Quellen, zumal sich auch Argumente zur Sicherheit auf dem Flugfeld finden lassen.

Ansonsten ist unser Budget nicht beliebig gross. Der Club versucht explizit, die Kosten niedrig zu halten, damit auch Jugendliche aus prekären finanziellen Situationen eine Chance haben, den Einstieg in die Aeronautik zu schaffen. Gerade für solche konkreten Projekte lassen sich aber mitunter Sponsoren finden.

In welche Richtung müsste denn eine WKA für diesen Standort idealerweise gehen? Ein Kühlschrank wäre sicher nett, so richtig grosse Verbraucher werden wir aber eher nicht haben. Die Winde ist ein kräftiger Benziner und das Golfwägelchen läuft auch mit Sprit.

-sven

doelle4

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 20.04.2015 - 13:20 Uhr  ·  #45488
Zitat
Drei Solarpanele füttern eine kleine Batteriebank

Warumm diese nicht mal vergrößern?
Ist schließlich die einfachere und effizentere Möglichkeit zuverlässig zu weit mehr Strom zu kommen.
Das beste Flugwetter ist immerhin bei Sonne und Windstille.
Windrad würde ich später zur Unterstützung nehmen, da tuts auch was nicht allzugroßes.
Gruß Hans

svoop

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 20.04.2015 - 13:48 Uhr  ·  #45490
Hallo Hans

Zitat geschrieben von doelle4

Ist schließlich [sind Solarpanele] die einfachere und effizentere Möglichkeit zuverlässig zu weit mehr Strom zu kommen.
Das beste Flugwetter ist immerhin bei Sonne und Windstille.


Nicht wirklich, für Segelflieger sind Mistraltage auch sehr gut, da wir an den Steilhängen neben dem Flugfeld sehr gute Aufwinde bekommen – besonders im Winter. Ungünstig an mehr Solarpanelen:

* Uns geht insbesondere in der Nacht der Saft aus.
* Viele Solarpanele bilden eine grosse, die Sonne reflektierende Fläche, was bei Flugfeldern wegen Blendgefahr nicht so gut ist.

Mehr Batterien würden helfen und wir werden sicher welche anschaffen, aber gerade weil es hier so zuverlässig windet, würde es mich schon interessieren, was für eine (auch kleinere) WKA für die Verhältnisse hier geeignet wäre.

Cheers, -sven

doelle4

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 20.04.2015 - 13:55 Uhr  ·  #45491
Naja ich spreche ja nicht von einer PV Farm sondern z.b von 2x 200 Watt Modulen die schon zusammen Strom mehr erbringen wie z.b eine Black 300.
Diese können auch flach auf Säulen montiert werden sodas sich ein Unterstand ergiebt und das in Komination mit einer Kleinwindanlage zum Ausgleich für die trüben Tage + Nacht
Gruß Hans

svoop

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 20.04.2015 - 17:50 Uhr  ·  #45494
Mehr Panele sind auch eine Option, aber so oder so, was für ein Windrad wäre denn angesagt, damit es nicht entweder mangels oder aber wegen zuviel Wind die meiste Zeit keinen Strom liefert?

FamZim

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 20.04.2015 - 20:48 Uhr  ·  #45495
Hallo

Da die Windgeschwindigkeit in der Regel zu hoch sein wird nützt es nur den Rotor an zu passen.
Also 600 bis 1000 W Windgenerator und den Rotor stutzen .
Um die Drehzahl wieder in den normalen Bereich zu bekommen dann noch die Blätter stärker in den Wind drehen.
Habt Ihr keinen gebrauchten Verstellpropeller, dem dann die Repellerblätter verpassen .
Na ja ist alles wieder Arbeit .

Gruß Aloys.

Menelaos

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 27.04.2015 - 02:36 Uhr  ·  #45562
Was ihr wollt ist eine Anlage mit Pitchsystem, die zuverlässig die Drehzahl begrenzt, die Anlage aber auf Nennleistung weiterlaufen lässt.
So oft wie ihr sehr starken Wind habt solltet ihr schon ein zuverlässiges Markenprodukt wählen - gerne auch etwas größer so dass dafür ggf. die Akkubank auch nicht überdimensioniert werden muss und zum anderen auch deshalb damit sich die Anschaffung lohnt. Denn ihr wollt eure Anlage definitiv über Kennlinie gesteuert fahren - da gibts Geräte für die um die 700 Euro kosten ( mindnite classic ) - aber das soll sich ja auch rechnen.

Ich würde dir empfehlen dir mal die "Windspot" anzusehen.

http://germany.windspot.es/pro…spot-15-kw

Ggf. reicht euch die 1,5 KW Anlage bzw. wenns windet wisst ihr gar nicht wohin mit dem ganzen Strom :-)
Dau den genannten Regler und eine Erstatzlast damit der Überschuss bei vollen Batterien verbraten werden kann ( ggf. zum heizen eines Aufenthaltsraumes?)
Die Anlage ist wirklich solide und meiner Meinung nach genau das was ihr wollt :-)

Gruß
Max

dig-it

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 27.04.2015 - 18:06 Uhr  ·  #45565
Was die Windspot angeht, sitzt bei Euch jemand in der Gegend (Ardèche), der die Windspot vertreibt. Ich habe den Kontakt aus der französischen Yahoo-Gruppe für KWA. Er führt auch manchmal Lehrgänge zum Bau eine Anlage nach Piggot durch. Selbstbau könnte für Euch eine preiswerte Alternative sein. Segelflieger können in der Regel auch ganz gut mit Materialien umgehen. ;-) Das ist eine Handy-Nr. Ich weiß nicht, ob die noch passt:
xxxxxxxxxxx
Dieter

PS: Jetzt habe ich seine Mailadresse wiedergefunden: xxxxxxxxxxxx


editiert von Menelaus: Maliadressen und Handnummern Dritter bitte persönlich als PN weitergeben.

dig-it

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 27.04.2015 - 20:30 Uhr  ·  #45566
Sorry Max, klar doch!

svoop, schaue in Deiner Inbox nach :-)

Dieter

...

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Re: Windrad versus Mistral

 ·  Gepostet: 27.04.2015 - 22:35 Uhr  ·  #45567
Zitat geschrieben von dig-it

Segelflieger können in der Regel auch ganz gut mit Materialien umgehen. ;-)


Großartig - Ich denke, dass diese das am allerbesten können!