Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

 
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Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 27.10.2012 - 22:40 Uhr  ·  #1
Hallo. bin neu hier und hoffe auf vielfältige gute Ideen !
Bei uns wird gerade eine 20 kV Freileitung abgebaut und es gibt die Möglichkeit den Mast zu behalten. Die Dinger sind 11 m hoch und in wundervoller freier Lage :-) Das weckt in mir den Wunsch falls Möglich eine kleine Windkraftanlage ( bin noch völlig im Unklaren wie groß /welcher Hersteller...) da zu installieren! Der Mast ist etwa 100 m vom Haus entfernt und ich habe, da zeitgleich auch neue Hausanschlüsse verlegt werden, gleich ein Leerrohr mit einbuddeln lassen.... Nun meine Frage dazu: sind die Masten aus Beton denn überhaupt geeignet (statisch gesehen) und gibt es damit schon Erfahrungen? Ein Problem könnte sein, dass wir hier dicht am Deich wohnen und der Mast in der 300 m Zone -von wegenWasservogelschutz- liegt.Ich freu mich auf eure Meinung und sach erstmal "Hallo" !
Gruß vom Waldsaeger
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 28.10.2012 - 17:54 Uhr  ·  #2
Herzlich willkommen hier!

Normalerweise kommen die Antworten der Moderatoren oder andere Forenmitglieder hier immer geradezu vorbildlich schnell. Wenn Du bisher noch keine erhalten hast, dann vermute ich mal, dass sich niemand so recht an das Thema herantraut. Denn da eine unrichtige Empfehlung zu geben, im Sinne: "klar, geht..." kann im Ernstfall gefährlich werden, wenn es eben nicht geht.

Doelle-4 hat hier, wenn ich mich richtig erinnere, für einen Horizontalachser von 3,50 Metern Durchmesser eine seitliche Auslenkkraft von 190 kg errechnet. Ich bin vollkommen außerstande, eine solche Rechnung selbst auszuführen. Aber nach Beobachtung meiner eigenen ungefähr gleichgroßen Anlage denke ich, dass das durchaus hinkommt.

Möglicherweise oder sogar sicher gibt es für den Typ Deines Mastes technische Angaben, denn diese Typen wurden ja tausendfach verbaut. Darin müsste sich eigentlich auch die seitliche Zugfestigkeit am Mastende finden lassen. Wenn Du einmal bei Deinem Stromversorger nett anfragst, wirst Du vielleicht die Info bekommen.

Auch die Frage nach dem Fundament stellt sich. Es gibt sogannante Abspannmasten, die die Zugspannung aufrecht erhalten, damit die Leitung nicht durchhängt. Diese sind stärker ausgelegt und auch stärker fundamentiert. Und dann gibt es Tragmasten, die nur das Gewicht der Leitung tragen, deren Fundment aber nicht sehr stark auf seitlichen Zug ausgelegt ist.

Ein anderes Problem bei Windturbinen sind die Vibrationen, die auf den Mast übertragen werden. Darauf reagiert Metall sicherlich toleranter als Beton. In wieweit sie langfristig den Beton "zermürben", kann ich beim besten Willen nicht sagen. Dabei ist auch zu bedenken, dass Dein Mast schon einige Jährchen in salzhaltiger Luft hinter sich hat.

Was übrigens die Gefahr für Vögel angeht, da sind sich hier im Forum so ziemlich alle einig: Es gibt keine, oder nur eine absolut zu vernachlässigende. Mit dem Auto werden mit Sicherheit zigtausenmal mehr Vögel "erlegt" als mit KWA. Trotzdem hat vor Fahrtantritt noch nie jemand ein Vogelschutz-Gutachten liefern müssen. Als absolut tierliebender Mensch meine ich, dass die Behörden da die Kirche im Dorf lassen solten. Ich habe am Fuße unserer Mühle noch nie einen toten Vogel gefunden, obwohl in nur wenigen Metern Entfernung Amseln, Wildtauben und Elstern nisten.

Die einzige Gefahr für die Gefiederten geht von unserem Kater aus - für den wir keine behördliche Genehmigung brauchten.

Dieter
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 28.10.2012 - 19:32 Uhr  ·  #3
Hallo Dieter, danke für die rasche und umfassende Antwort!
Es ist verständlich wenn niemand eine Aussage bezüglich der Eignung des Mastes sagen mag- die Fakten wie Alter des Mastes und Fundamentierung sind ja wesentliche Eigenschaften für Festigkeit und Dauerhaftigkeit.
Die Idee den Hersteller bzw Betreiber des Mastes zu kontaktieren ist genial- warum komm ich da nicht einfach selber drauf? Wenn wir mal von ~ 200 kg seitlicher Belastung ausgehen dann ist das sicher eine ganze Menge- evtl zu viel ?!. Andererseits haben wir hier direkt an der Elbmündung manchmal auch mächtig viel Wind und der soll besonders bei Reif und Eisanhang ja auch aufgefangen werden.
Der Mast hat eine kleine Plakette unten eingebaut mit Typnummer und Hersteller, darüber werde ich es mal versuchen!
Und na klar hast du- habt ihr- recht wegen der Vögel- ich denke da nicht anders. Aber da wir ja nun mal eine EU haben und deshalb 300 m landeinwärts ab Deichfuß eine Wasservogelschutzzone besteht (damit die lieben Gänse die letzten Grashalme fressen können) mag es sein dass es da gewisse Schwierigkeiten hinsichtlich einer Genehmigung geben könnte! Eventuell mag es ja gehen wenn -wie ich hörte- im nächsten Jahr Masthöhen von 10 m Genehmigungsfrei sein sollten...
Ich werde berichten was ich erfahre!
Unser Kater ist auch eine ernstzunehmende Bedrohung für manchen Vogel ;-)
Torsten
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 29.10.2012 - 07:02 Uhr  ·  #4
Zitat
Trotzdem hat vor Fahrtantritt noch nie jemand ein Vogelschutz-Gutachten liefern müssen


Das ist leider falsch! Es kommt sogar recht häufig vor, das ein ornitologisches Gutachten verlangt wird. Gerade wenn das Objekt der Begierde in die Nähe von Schutzzonen rückt. Denn dort liegt auch die Aufmerksamkeit höher.

Manchmal gibt es Möglichkeiten das teuere Gutachten durch praktischen Vogelschutz einzusparen (Vogelschutz ist deutlich günstiger als das Gutachten dazu).



Man sollte immer genau klären wann und was ich wie schützen soll und ob ein alternatives Vorgehen möglich ist zB. durch gezieltes Abschalten der Anlage zu bestimmten Tages- oder Jahreszeiten. Im Dunkeln fliegen zB. fast keine Vögel und Fledermäsue nur zu bestimmten Jahreszeiten und immer nur engbegrenzt in den Dämmerung und das auch wiederrum nur bei wenig Wind.

Phantasie ist gefragt und eine gesprächsbereite Seite bei den Baubehörden.



Was den Mast angeht: Ich würde vermutlich nur darüber nachdenken, wenn es sich um einen Spannbetonmast handelt (eher unwahrscheinlich). Beton ist extrem spröde und hält keinerlei Zuglasten aus (Biegemoment beim Schwingen). Erst durch das Vorspannen mit Stahl entsteht sowas wie eine stabile Konstruktion die auch dynamische Lasten auf Dauer aufnehmen kann.

Gruß Uwe
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 29.10.2012 - 07:31 Uhr  ·  #5
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 29.10.2012 - 08:07 Uhr  ·  #6
Zitat

Zitat
Trotzdem hat vor Fahrtantritt noch nie jemand ein Vogelschutz-Gutachten liefern müssen


Das ist leider falsch!


Also, ich habe vor Fahrtantritt mit meinem Auto noch niemals ein Vogelschutz-Gutachten abgegeben, und kenne auch niemanden, der das getan hätte. Nicht einmal die Autohersteller müssen das für die Zulassung ihrer Modelle... Obwohl doch Autos Millionen von Vögeln töten. Meines in diesem Sommer allein zwei...

Natürlich macht Vogelschutz Sinn - da wo er Sinn macht. Das ist Meiner Meinung nach bei KWA nicht der Fall. Vielleicht können sich hier ja einmal diejenigen äußern, die schon Vögel, die von ihrer Anlage getötet wurden, gefunden haben.

Übrigens, bevor ich mir solche Käfige, wie auf den Fotos, in die Landschaft stellte, würde ich lieber auf eine KWA verzichten.

Dieter
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 29.10.2012 - 10:21 Uhr  ·  #7
Hallo zusammen,

Zitat
Sind aber Betonmasten nicht in der Regel Stahl-armiert?


Klar sind sie das, Beton hält quasi nur Druck aus, das aber dafür extrem gut.
Biege und Zugkräfte werden über Stahl, Eisen, abgefangen.
Da Biege und Zugkräfte immer bei Masten auftreten kann ich mir keinen Mast ohne Eisen im inneren vorstellen.

Bleibt nur noch die Frage zu klären wie viel Eisen dort drin ist.

Zusätzliches Eisen, z.B. in Form von Spannseilen geht hier sehr gut,
die seitlichen Kräfte werden unter Erhöhung von vertikalem Druck auf den Mast abgefangen
und den Druck kann dann der Beton sehr gut aufnehmen.

Ist natürlich recht schwer so ein Mast ...

Gruß Frank
Ede
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 29.10.2012 - 11:11 Uhr  ·  #8
Moin zusammen.

Schleuder-Betonmasten wurden von Enercon bei den früheren Maschinen (E-12, E-18, E-32, E-40) eingesetzt, natürchlich mit entsprechend großem Fundament als Gegengewicht.
Bei der E40-500kW gab es ein Kreuzfundament mit Gesamt-Schenkellänge 12m Schenkelbreite 4m, Schenkelhöhe 1,3m .

Ohne jetzt das Fundament zu kennen, denke aber das der Strommast stabil genug für ein Windrad ist.

Die müssen schon nen Hib abkönnen, Eisansatz an Leiterseilen und Wintersturm von der Seite ist ja ein typischer Lastfall für so ein Teil.

Außerdem Du wirst wohl kaum so einen E12 Brummer draufsetzen wollen:
E-12 mit 34m Betonmast

Habe Dich so verstanden, das der Mast am Standort stehen bleibt,
testweise könnte man am oberen Ende mal nen Seil anbringen und nen paar Zugversuche machen, und schauen wie er sich statisch und dynamisch verhält.
Und abspannen kannst ja immer noch.

Grüße Ede
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 29.10.2012 - 13:18 Uhr  ·  #9
Zitat geschrieben von dig-it
. . . Also, ich habe vor Fahrtantritt mit meinem Auto noch niemals ein Vogelschutz-Gutachten abgegeben . . .


8-) Schon klar, wer lesen kann ist klar im Vorteil 8-)

Gruß Uwe
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 03.11.2012 - 20:09 Uhr  ·  #10
Guten Abend euch allen!
nach ein paar stressbelasteten Tagen (so ist das Leben) nun erstmal ein ernüchterndes kurzes Zwischenergebnis.
Der von mir favorisierte Mast wurde von den Lübecker Eisenhüttenwerken (Flick Gruppe) gebaut. Und weil heut ja alles so schön
schnellebig ist gibt es diese natürlich nicht mehr -und auch keine Daten mehr. Firmenübernehmer ist wohl ein Zementproduzent, das Gelände der ehemaligen Eisenhüttenwerke ist ein Sanierungsgebiet geworden.
Diese Fährte war also eine Sackgasse.
Nichts desto trotz müssten die Masten statisch berechnet sein und die Daten werd ich versuchen z.B. bei den Energieversorgern zu erfragen.
@ Uwe, Ede, Erdorf, dig-it und XXLray: Danke für eure Ausführungen, schön dass es gleichgesinnte gibt!
@ Uwe: Das mit den Käfigen um die Rotoren kann sicherlich zielführend sein... aber wenn Vogelschutz einen so hohen Stellenwert hat daß solcher Schutz gefordert wird dann denk ich werd ich auf diese Form der erneuerbaren Energie verzichten denn die Anlage
soll bei uns im Sichtbereich stehen und da möcht ich keine solchen Käfige sehen!!
Bis bald erstmal !
Torsten
 
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Re: Frage: Ist ein ehemaliger Strommast aus Beton für kleine WKA geeignet?

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Gepostet: 14.11.2021 - 06:27 Uhr  ·  #11
Der Post ist ja nun schon ein wenig älter, hast Du den Mast genutzt?
Wenn ja wie sind dein Erfahrungen.
Gruß
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