Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

 
Colamola
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Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 09.04.2022 - 16:13 Uhr  ·  #1
Hallo,

vielleicht ist es mir nur noch nicht aufgefallen, aber ich habe noch nie ein Stromerzeugungssystem gesehen, das dem von klassischen Wasserrädern entspricht, siehe zB dieses Foto, bei dem das Prinzip aber lediglich zur Anschauung dient.

Mit meiner Frage meine ich aber nicht die Verwendung in der Nische, wie es früher bei Mühlen oder Sägewerken war, sondern die großindustrielle Anwendung auf großen Flüssen und im Meer.

Der große Vorteil im Vergleich zu konventionellen Laufwasserkraftwerken wäre, dass die Investitionskosten sehr viel niedriger wären, weil zB keine Schleusen benötigt werden. Kommt ein Schiff, dann kann man das Rad analog zu Hubbrücken einfach kurz anheben.

Meine Vermutung wäre zudem, dass derartige Laufräder auch in sehr langsam fließenden Gewässern eingesetzt werden könnten. Einmal, weil die Investitionskosten erheblich niedriger sind und dann noch, weil der Querschnitt erheblich größer ist, mit dem die Schaufeln in der Strömung stehen, so dass auch bei sehr langsam stehenden Flüssen etwas rumkommt.

Beim Einsatz im offenen Meer würde es sich anbieten, ein großes Rad fix zwischen zwei Schiffe (oder Pontons) zu spannen, die gemeinsam an einem Anker hängen. Dadurch könnte sich die ganze Konstruktion mit drehen, sobald sich die Strömung dreht. Alternativ wäre auch die Raddampferlösung möglich, nur eben mit umgekehrten Vorzeichen bei der Energie.

Damit der Wind nicht ungewollt bremst, müsste man den oberen Teil des Laufrads noch mit einer Abdeckung versehen und fertig. Allzu teuer kann das doch eigentlich nicht sein, da nur sehr konventionelle Mittel eingesetzt werden und gleichzeitig keine Materialakrobatik getrieben werden muss, wie es bei konventionellen WKAs bei zunehmender Größe der Fall ist.

Beim Recherchieren habe ich sogar etwas relativ in die Richtung gefunden, wie ich es meine. Es geht um ein Ding namens Windmodul. Für mich sieht das aus wie ein Spielzeug und ich wundere mich, warum das nicht um den Faktor 1000 vergrößert wird, wenn es sich schon lohnt, bei einem derart kleinen Aufbau einen eigenen Generator dran zu hängen. (Ach ja, der Hersteller hat letztes Jahr die Segel gestrichen...).

Das natürliche Metier dieses Windmoduls in Form, sozusagen als "Wassermodul" sehe ich eher im Meer und dort wie gesagt so groß, wie man es mit einem Schiff noch sicher installieren und manövrieren kann. Hier die Vorteile des ganzen gegenüber Offshore Windanlagen (wer den 1:1 Vergleich will, der drehe die WKA auf Höhe der Wasseroberfläche um 180°):

Vorteile:
- wesentlich einfacherer Aufbau und Wartung, weil niedriger
- Standortverlegung ist leicht möglich
- einfachere Skalierbarkeit in der Höhe und Breite
- Reihenschaltung vieler Module mit nur einem Generator
- Stromproduktion auch bei Sturmböen möglich
- stabile Produktion, weil Strömungen konstanter sind als Wind
- als Stahlkonstruktion nur geringer Ressourcenbedarf
- Vögel freuen sich über die neuen Inseln

Nachteil sehe ich eigentlich nur einen. Verglichen mit theoretisch 60% maximaler Energieausbeute bei konventionellen WKAs liegt das theoretische Maximum von Laufrädern deutlich unter 50%. Der Grund ist, dass immer nur eine Hälfte in der Strömung hängen kann. Das effektive Maximum wird vermutlich so um die 25% liegen, während konventionelle WKAs, wenn sie richtig gut optimiert sind, so um die 50% aus dem Wind herausholen können.

Die Frage ist daher ist letztlich, ob sich die Halbierung des Ertrags bei Laufrädern über die genannten Einsparungen in anderen Bereichen wieder wettmachen lässt und ab welcher theoretischen Anlagengröße ein Investitionsvorteil ergäbe - oder ob er überhaupt kommen kann. Ich denke ja, daher mein Fragetext. Was denkt ihr?
Che
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 09.04.2022 - 17:53 Uhr  ·  #2
Ist ja nicht so, dass ein Zuppinger-Rad geringen Aufwand machen würde. Außerdem nur eine Hälfte nutzbar, da die andere Hälfte bei Windnutzung abgedeckt sein müsste. Beim Normalwindrad genügen 3 Blätter. Wieviel hat so ein Wasserrad?

Das Windmodul ist die Umkehrung des Querstromlüfters. Wie letzterer funktioniert das aber nur richtig, wenn auch das Spiralgehäuse dazu kommt. Sonst sehr uneffizient.

Bei beiden die Problematik, es dem Wind nach zu führen!

Letztendlich eben Missverhältnisse zwischen eingesetztem Material und Aufwand zum Ertrag.
Garade hier wieder hat einer was geschaffen mit Masse 350 kG, aus der sonst vielleicht 40 kW rauszuholen wären, hier aber wirds bei nicht viel mehr als einem bleiben.
Und bringe einer mal sowas auf einen Mast....
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 09.04.2022 - 18:32 Uhr  ·  #3
Hallo,

dein Gedanke mit dem tiefschlächtigen Wasserrad ist gut....
Allerdings gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Erstmal ist der Gedanke nicht neu, tiefschlächtige Wasserräder zu nutzen. Schon in den Solinger Schleifkotten und viel früher fand diese Technik Anwendung. Es gab auch sogenannte Schiffsmühlen, von denen einige noch zu bestaunen sind. Diese gab es auch auf großen Flüssen wie dem Rhein. Da waren die teilweise an Brückenpfeilern befestigt um den EInstieg zu erleichtern.

Generell ist zu sagen, dass es gut ist, wenn man nicht ausleiten muss. Das meinst du mit Schleusen....
Man sagt auch Ausleitungskraftwerk. Es hat aber auch einige Vorteile....

Jedes Kraftwerk, jede Mühle muss mit schwankenden Wassermengen klar kommen.
Der Fall von Niedrigwasser ist dabei nicht ganz so wild. Was mehr in´s Gewicht fällt ist Hochwassser. Da braucht es den sogenannten Freihang zum Unterwasser. Daraus ergibt sich beispielsweise bei allen Wasserrädern die sogenannte Wattiefe, in Abhängigleit vom Gefälle des Untergrabens. Das muss man beim Bau beachten.

Die Vorteile des Wasserrades liegen klar auf der Hand:

-GUTES Teillastverhalten ( viele Müller ärgerten sich um die Jahrhundertwende, als sie auf Francis(spiral) umrüsteten, denn diese haben ein vergleichsweise schlechtes...)
- es reicht ein Grobrechen, sehr unanfällig gegenüber Schmutz und Unrat ( analog Durchströmturbine ) - störfrei im Betrieb
- keine großartige KOnstruktion beim Triebwasser - ein Wasserbett als Holzkanal reicht
...kein Wasserschloss nötig! Der Vergleich gilt natürlich nicht bei Schachtturbinen.
Allerdings muss auch bei Schachtturbinen der Graben relativ groß gehalten werden um die Fließgeschwindigkeit zu minimieren, da KANN man bei Wasserrädern etwas schmaler bauen.

Aber sie haben eben auch einen schlechten Wirkungsgrad und die Haltbarkeit ist auch so eine Sache...
Ein Rad aus Eiche hält schon mal 30 - 50 Jahre, wenn es immer gut unter Wasser steht. Aber die Schwämme fressen sich eben durch, was auch mit an unseren überdüngten Flächen liegt....da halten Turbinen länger!

NIchts desto trotz haben sie ihre Berechtigung!
Man kommt im Genertaorbetrieb an einem Planetengetriebe fast nicht vorbei. Auch, wenn der Flachriemen immer die bessere Wahl ist....

Bei Grimma auf der Mulde ist so eine Schiffsmühle noch zu sehen!
Colamola
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 09.04.2022 - 20:51 Uhr  ·  #4
Zitat geschrieben von Che

Ist ja nicht so, dass ein Zuppinger-Rad geringen Aufwand machen würde. Außerdem nur eine Hälfte nutzbar, da die andere Hälfte bei Windnutzung abgedeckt sein müsste. Beim Normalwindrad genügen 3 Blätter. Wieviel hat so ein Wasserrad?


Die Zahl der Blätter selbst ist relativ unwichtig. Es geht um deren Produktionskosten, die Grenzen bei der Größe, die Frage nach den Wartungsintervallen und der Wartungsintensität und am Ende um das Recycling. Hier reicht es beim Wasserrad konventionellen Schiffsstahl zu verwenden. Das ist nicht teuer und kann beliebig skaliert werden. Windräder sind in alle Dimensionen begrenzt und damit mE teuer.

Zitat geschrieben von Che
Das Windmodul ist die Umkehrung des Querstromlüfters. Wie letzterer funktioniert das aber nur richtig, wenn auch das Spiralgehäuse dazu kommt. Sonst sehr uneffizient.


Ich kenne mich nicht aus, es sieht für mich aber so aus, als könne man es auch in der offenen Strömung einsetzen. Generell aber bezweifle ich, ob sich das hochskaliert lohnen würde, da der Aufbau wesentlich komplexer würde.

Zitat geschrieben von Che

Bei beiden die Problematik, es dem Wind nach zu führen!


Das stelle ich mir eher trivial vor: Einfach das Gerät auf einen Drehteller stellen und oben ein Segel anbringen, bzw. in diesem Fall ein Dreieck, damit die richtige Seite im Wind steht.

Zitat geschrieben von Che

Letztendlich eben Missverhältnisse zwischen eingesetztem Material und Aufwand zum Ertrag.
Garade hier wieder hat einer was geschaffen mit Masse 350 kG, aus der sonst vielleicht 40 kW rauszuholen wären, hier aber wirds bei nicht viel mehr als einem bleiben.
Und bringe einer mal sowas auf einen Mast....


Das verlinkte Beispiel sieht schon auf den ersten Blick aus, als hätte es 30 bewegliche Teile zu viel. Letztlich geht es aber ohnehin nur um die Preisleistung, nicht um die Masse oder eine andere Metrik. Bzgl der Preisleistung wiederum steht er gar nicht so schlecht da. Im Faden schreibt er:

Zitat
Das Rad hat nach Kostenüberschlag bisher ca. 2000 € Material verschlungen( Der Stahlpreis ist z.Z. eben sehr hoch.


Selbst wenn man da noch einmal 2000 Euro für die Arbeit hinzurechnet ist das gar nicht so übel, zumindest dann, wenn die Angaben auf dieser Seite in etwa korrekt sind.

Zitat geschrieben von stormbreaker
Es gab auch sogenannte Schiffsmühlen, von denen einige noch zu bestaunen sind. Diese gab es auch auf großen Flüssen wie dem Rhein. Da waren die teilweise an Brückenpfeilern befestigt um den EInstieg zu erleichtern.


Danke, daran hatte ich gar nicht gedacht, ist aber wohl das beste bisherige Anwendungsbeispiel. Gibt sogar noch eine als Museum mit Kapazität von > 10.000 Zentner Getreide. Ich habe keine Ahnung, wie viel das ist, aber es scheint konkurrenzfähig viel zu sein. Nimmt man diese vergleichbar groß wirkende Dorfmühle als Vergleich, die heute 2KW Strom erzeugt.

Ich schließe, dass selbst bei wenig optimierten Anlagen ordentlich was rumkommt. Bei der Dorfmühle mit unterschiedlichen Pegelständen sind es im Jahr immerhin 11 MWh im Gegenwert von irgendwo um die 1.000 Euro. Wenn man sich jetzt ein 10x so großes Rad vorstellt, das aber ebenfalls nur an einem Generator als der eigentlich teuren Komponente hängt, dann müsste das doch sehr, sehr profitabel sein.


Zitat geschrieben von stormbreaker
Aber sie haben eben auch einen schlechten Wirkungsgrad und die Haltbarkeit ist auch so eine Sache...
Ein Rad aus Eiche hält schon mal 30 - 50 Jahre, wenn es immer gut unter Wasser steht. Aber die Schwämme fressen sich eben durch, was auch mit an unseren überdüngten Flächen liegt....da halten Turbinen länger!

NIchts desto trotz haben sie ihre Berechtigung!
Man kommt im Genertaorbetrieb an einem Planetengetriebe fast nicht vorbei. Auch, wenn der Flachriemen immer die bessere Wahl ist....


In meinem Gedankengang geht es nicht um die romantische Kleinanlage, sondern um welche in industrieller Größe und aus Schiffsstahl, die sagen wir zwischen den englischen Kanalinseln aufgestellt sind, wo die Strömung zuverlässig ~10 km/h beträgt.

Was man dafür bräuchte wäre nicht viel mehr als...
- eine passende Pontonplattform (400k Euro)
- einen 1MW Generator (100k Euro)
- ein Wasserrad oder von mir aus eine Francis Turbine (200k Euro)
- ein langs Stromkabel (100k Euro)
- alles andere (500k Euro)

Macht alles in allem eine Investition über 1,5 Mio Euro. Schreibt man sie über 5 Jahre ab und geht von einer 1:1 Relation zwischen Material- und Personalkosten aus, dann kostet der Betrieb der Anlage im Jahr ca 600 Euro im Jahr.

Geht man davon aus, dass die Anlage 60% des Jahres 1 MW leistet, dann stehen am Ende des Jahres ~5,3 GWh Strom. Für den Break-Even braucht es damit 11,4 Cent pro KWh. Das ist mE nicht unrealistisch. Interessant wird es vor allem dann, wenn man die Anlage wie beschrieben hochskaliert und die Blattfläche pro übrige Anlage maximiert.
Colamola
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 09.04.2022 - 20:55 Uhr  ·  #5
Nachtrag. Habe eben noch diese Seite mit einer Liste an Kleinanlagen gefunden. Vor allem die Zuppinger Anlagen sind beeindruckend. Bei 1,4m/s (5km/h) schafft eine der Anlagen 5KW, eine andere bringt 12KW bei 1,3m/s (=4,7km/h). Diese Geschwindigkeiten sind nichts im Vergleich zu den 10 km/h im Englischen Kanal...
Erdorf
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 09.04.2022 - 22:18 Uhr  ·  #6
Hallo Colamola,

Zitat
Die Zahl der Blätter selbst ist relativ unwichtig.

Nein, es geht darum mit wenig Material und Arbeitsaufwand maximal Energie zu gewinnen.

Beim Windrad geht es auch noch darum möglichst hoch in die Luftströmung zu kommen.
Leichte Materialien und Konstruktionen sind da ganz klar zu bevorzugen.

Es geht auch um die Fläche, die man dem Wind entgegen stellt und in der man erntet.
Beim klassischen drei Flügler eben eine Kreisfläche.
Und es geht um das Verhältnis zwischen dieser Erntefläche und dem eingesetzten Material.
Beim klassischen drei Flügler:
Weniger als 10 % der Fläche wird mit Material abgedeckt bei mehr als 40% Nutzung des Windes in dieser Kreisfläche.
Wie geht das denn überhaupt?
Es geht nur mit sogenannten Schnellläufern, die mehr als 5 mal so schnell laufen wie der Wind ist.
Ausgeklügelte Aerodynamik mit flachen Anstellwinkeln der Rotor Blätter.

Grüße
Carl
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 10.04.2022 - 06:12 Uhr  ·  #7
Meeresströmung oder den Strom der Flüsse zu nutzen ist ein sehr guter Gedanke. Wasser ist 1000 X dichter als Luft und hat dementsprechend mehr Energiepotenzial.

Demgegenüber existieren vor allem technische Probleme wenn die Generatoren auch unter Wasser gefahren werden müssen.

Dass man die Generatoren auch auf Schwimmpontons über Wasser fahren kann bringt bei horizontal laufenden Unterwasser Rotoren immer noch Probleme, Korrosion und Bewuchs in agressiver Umgebung setzen ja nicht nur den Dichtungen zu, die einen Generator unter Wasser schützen sollen.

Es existiert allerdings eine weitere Möglichkeit, einen Rotor in einer Strömung an einem durchhängenden Seil nachzuschleppen, auch mehrere Rotoren hintereinander gekoppelt.

Für Versuche und Studien ist auf diesem Gebiet noch sehr viel Luft nach oben.
Colamola
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 10.04.2022 - 11:49 Uhr  ·  #8
Zitat geschrieben von Erdorf


Zitat
Die Zahl der Blätter selbst ist relativ unwichtig.

Nein, es geht darum mit wenig Material und Arbeitsaufwand maximal Energie zu gewinnen.


Wer hat denn diese Regel aufgestellt? Und ist schonmal jemand nicht pleite gegangen, der sich primär daran gehalten hat?


Zitat geschrieben von Erdorf

Beim Windrad geht es auch noch darum möglichst hoch in die Luftströmung zu kommen.
Leichte Materialien und Konstruktionen sind da ganz klar zu bevorzugen.


Deswegen sind konventionelle WKAs konzeptionell begrenzt und letztlich auch zum Scheitern verurteilt, da ihre Verbesserungspotenziale im Vergleich zu den Alternativen irgendwann gesättigt sein werden.

Zitat geschrieben von Erdorf

Es geht nur mit sogenannten Schnellläufern, die mehr als 5 mal so schnell laufen wie der Wind ist.
Ausgeklügelte Aerodynamik mit flachen Anstellwinkeln der Rotor Blätter.


Darüber freuen sich die Vögel genauso wie Mensch & Tier mit etwas sensiblerem Gehör.


Zitat geschrieben von Carl

Dass man die Generatoren auch auf Schwimmpontons über Wasser fahren kann bringt bei horizontal laufenden Unterwasser Rotoren immer noch Probleme, Korrosion und Bewuchs in agressiver Umgebung setzen ja nicht nur den Dichtungen zu, die einen Generator unter Wasser schützen sollen.


Das ist korrekt. Alles, was direkt dem Meerwasser ausgesetzt ist, wird nach wenigen Jahren hinüber sein. Vielleicht könnte man dem ganzen aber ein Schnippchen schlagen und eine solche Anlage quasi als Wegwerfprodukt konzipieren. Der Generator und die Stromübertragung können geschützt im Innenraum stattfinden, lediglich der Rotor ist Wasser und Wind ausgesetzt. Letzteren kann man dabei auf Verschleiß fahren und 5 Jahre durchlaufen lassen, da die Kontruktion sehr simpel ist und das bisschen Stahl im Großen und Ganzen nicht wirklich teuer ist.

Die von mir gestern verlinkte Liste mit Zuppinger Rädern zeigt, dass für den Rotor der Anlagen geschätzt knapp 1m³ Stahl und Holz verbaut wurde. Der Kostenpunkt fürs Material ist ca 1000 Euro, dazu kommen nochmal je 1000 Euro für das Zusammenschweißen und den Einbau.

Bei einer 12KW Anlage mit 80% Durchsatz kommen p.a. 84 MWh raus, was finanziell etwa dem 2,8-fachen des Rotors entspricht, wobei der Rotor selbst auf See länger als 1 Jahr verwendet werden kann, bevor er in Revision muss. Hinzu kommt zwar noch der Generator & Gedöns, aber ich denke nicht, dass es finanziell auch nur annhähernd knapp würde.

Zitat geschrieben von Carl

Für Versuche und Studien ist auf diesem Gebiet noch sehr viel Luft nach oben.


Ja, deswegen habe ich den Beitrag aufgemacht. Die Simplizität des Prinzips in Verbindung mit den möglichen Skaleneffekten ist eine Gelegenheit, die man sich eigentlich nicht entgehen lassen dürfte.
Erdorf
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 10.04.2022 - 13:26 Uhr  ·  #9
Zitat
Wer hat denn diese Regel aufgestellt?

Die Natur hat diese Regel aufgestellt. Es setzen sich die Dinge durch,
wo man mit wenig Aufwand viel erreichen kann.
FamZim
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 10.04.2022 - 17:39 Uhr  ·  #10
Hallo

Alle Deine Vorschläge sind längst schon erprobt und verwirklicht worden.
Das Problem ist einfach nur, wo sollen die den Instaliert werden , die großen Wasserräder.
Am besten da wo die Überschwemmung war, aber für die paar Stunden, und dann ?
Niemand will die Bach- und Flußläufe unnötig verstopfen, schon garnicht die Verantwortlichen und Anwohner.
Was der Eine gerne will, wollen alle Andern eben nicht, so ist das auch noch.

Gruß Aloys.
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 11.04.2022 - 15:38 Uhr  ·  #11
Zitat geschrieben von Erdorf

Die Natur hat diese Regel aufgestellt. Es setzen sich die Dinge durch,
wo man mit wenig Aufwand viel erreichen kann.


Nein, es setzen sich Dinge durch, die wirtschaftlich am meisten Sinn ergeben.

Zitat geschrieben von FamZim

Hallo

Alle Deine Vorschläge sind längst schon erprobt und verwirklicht worden.
Das Problem ist einfach nur, wo sollen die den Instaliert werden , die großen Wasserräder.
Am besten da wo die Überschwemmung war, aber für die paar Stunden, und dann ?
Niemand will die Bach- und Flußläufe unnötig verstopfen, schon garnicht die Verantwortlichen und Anwohner.
Was der Eine gerne will, wollen alle Andern eben nicht, so ist das auch noch.

Gruß Aloys.


Ich hatte das Gebiet nahe der englischen Kanalinseln als Beispiel genannt. Generell würde es wesentlich mehr Sinn machen, solche Anlagen im offenen Meer zu betreiben. Dort reichen auch regelmässige 3-5km/h, um eine technisch simple Großanlage profitabel zu betreiben.

Aber offenbar sitzen im Vorstandszimmer der Ökostromkonzerne nur Leute wie der Spezialist von oben, der meint, dass es nicht wirtschaftlich sein muss, sondern möglichst materialsparend (und das in einem Form für eine Technologie, bei der 60% der Zeit tote Hose herrscht...)
FamZim
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 11.04.2022 - 17:05 Uhr  ·  #12
Hallo

Du verstehst offensichtlich nicht einmal was Du selber schreibst.
Eine profidable Großanlage soll es sein , und die muß Wirtschaftlich Materialsparent und 100 % in Betrieb sein, sonst kanst te profitabel vergessen.

Gruß Aloys.
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 14.04.2022 - 16:47 Uhr  ·  #13
Zitat geschrieben von FamZim

Hallo

Du verstehst offensichtlich nicht einmal was Du selber schreibst.
Eine profidable Großanlage soll es sein , und die muß Wirtschaftlich Materialsparent und 100 % in Betrieb sein, sonst kanst te profitabel vergessen.

Gruß Aloys.


Es geht um eine reine Stahlkonstruktion mit exakt einem beweglichen Teil. Stahl ist mit wenig Pflege lange haltbar (siehe Schiffe) und das bewegliche Teil ist die Anlage selbst. Gleichzeitig sind Meeresströmungen immer da, weil auch der Mond immer da ist. Er ist lediglich manchmal nicht zu sehen. Ich verstehe dein Lamentieren nicht so recht.
Erdorf
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 14.04.2022 - 18:31 Uhr  ·  #14
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Re: Warum verwendet niemand klassische Wasserräder für die Ökostromerzeugung?

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Gepostet: 17.04.2022 - 15:28 Uhr  ·  #15
Zitat geschrieben von Erdorf

Energie vom Mond abernten, nicht das der Mond uns dann auf den Kopf fällt :D


In etwa das, ja. Aber auch generell Strömungen, wie sie im Meer sehr regelmäßig sein können.

Zitat geschrieben von Erdorf


Dieser Ansatz ist mir auch bekannt, aber erheblich unflexibler und wegen der Betonufundamente mit hohem Materialaufwand verbunden.

Zitat geschrieben von Erdorf

Zur Haltbarkeit von Stahl im Meer, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Opferanode



Danke für den Hinweis. Sieht doch gut aus hinsichtlich einer technischen Anwendung bei semi-stationären Wasserrädern im offenen Meer.
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