Genehmigungsantrag KWA in Berlin

Baugenehmigung, Naturschutz, Brandschutz
 
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Genehmigungsantrag KWA in Berlin

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Gepostet: 23.09.2012 - 19:22 Uhr  ·  #1
Hallo zusammen.
Zwei studentische Initiativen der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin versuchen momentan parallel zueinander eine Genehmigung für das Aufstellen von selbstgebauten KWA, Typ Hugh Piggeot, zu erhalten. Die Anlagen sollen jeweils auf einer Höhe von unter 10m auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugfeld aufgestellt werden, das ja mittlerweile ein öffentlich zugängliches Gelände (Park) ist.
Bislang sieht es so aus, als bräuchten wir für das Vorhaben neben der Baugenehmigung mindestens noch eine Genehmigung bezüglich Brandschutz und Artenschutz (Fledermäuse). Letztere haben wir unter Auflagen erhalten, beim Brandschutz sind wir uns unsicher. Da sich verschiedene Menschen hier auf dem Forum mit der Thematik befaßt haben wollte ich (neues Forenmitglied) mal ins Blaue reinfragen, ob irgendwer Erfahrung zum Thema Brandschutz gemacht hat bzw. wie man an ein Gutachten kommt, das bestätigt dass keine Brandgefahr trotz Holzflügel besteht.

... und gleich noch ne Frage hinterher: am besagten ehemaligen Airport windet es oft und mitunter auch gewaltig. Wie schätzt ihr die Gefahr ein, die von einer selbstgebauten KWA in einem Park für Personen ausgehen kann, zB durch abfallende (Flügel-)Teile?

Besten dank schonmal.
Grüße.
Jörg.
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Re: Genehmigungsantrag KWA in Berlin

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Gepostet: 24.09.2012 - 08:53 Uhr  ·  #2
Hallo Jörg,

Zitat
Wie schätzt ihr die Gefahr ein, die von einer selbstgebauten KWA in einem Park für Personen ausgehen kann, zB durch abfallende (Flügel-)Teile?


Das Gelände ist ein öffentlich zugänglicher Park.
Also muss man zu allen Zeiten damit rechnen das Menschen anwesend sind.
Nachts, bei schlechtestem Wetter, ... der Zugang ist ja nicht in irgendeiner Weise geregelt.

Das bedeutet das die Anlage in direkter Menschennähe aufgebaut wird,
mehr noch sie wird sogar Menschen anziehen, an einem Ort an dem man mit vielen Menschen rechnen muss.

Zur Gefahr selbst kann ich wenig sagen, nur soviel:
wenn etwas passiert wird die Anlage wohl still gelegt und einen nachhaltigen Imageschaden verursachen.
Kurz das Risiko, die Wagnis ist groß.

Und was steht dem gegenüber auf der "Gewinn Seite" ?
Bitte mal selber abwägen, da gibt es schon einiges positives,
Aber alle potenziellen Gewinne, insbesondere Wirtschaftlichkeit sind natürlich in diesem Fall dem Risiko unterzuordnen.

Bitte liste mal eure Ziele, den potenziellen Gewinn auf.
Das interessiert mich und vielleicht kann man diese Ziele
ja auch mit anderen Anlagen erreichen oder sogar besser umsetzen und gleichzeitig das Risiko minimieren.

Gruß Frank
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Re: Genehmigungsantrag KWA in Berlin

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Gepostet: 24.09.2012 - 09:57 Uhr  ·  #3
Schönes Projekt, die Windenergie sichtbar zu machen.

Brandschutz halte ich für abwegig. Jeder Raucher dort im Park verkörpert ein tausendfach höheres Risiko. Das Gleiche gilt für die Gefahr, von umherfliegenden Teilen getroffen zu werden. Ich halte das Risiko, auf dem Tempelhofer Damm bei der Fahrt/dem Anmarsch zum Park bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, für millionenfach höher. Das würde ja - wenn überhaupt - nur bei extremen Winden auftreten. Und dann würde ich Astbruch im Park sehr viel mehr fürchten, als ein Mühlendefekt.

Was das Windaufkommen dort angeht, habe ich meine Zweifel. Das ist in Berlin eher gering (siehe hier: http://kleinwind.htw-berlin.de/website/index.php?id=3) und dann steht ja in der Hauptwindrichtung Südwest-Nordwest das riesige Terminal-Gebäude...

Habt Ihr eine Nutzung der gewonnen Energie vorgesehen?

Haltet uns bitte weiter auf dem Laufenden!

Dieter
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Gepostet: 04.10.2012 - 14:50 Uhr  ·  #4
Hallo. Danke für die Rückmeldungen. Den Standsicherheitsnachweis können wir hier über die HTW bekommen, allerdings fehlt dann noch eine unabhängige Prüfung davon...um die Baugenhemigung zu erhalten. Bezüglich Brandschutz sind wir nicht weiter...irgendwer muss halt bestätigen dass von dem Ding (mit Holzflügeln?!?) keine Brandgefahr ausgeht.

Mehr Infos zu unserem HTW-Projekt Kleinwindanlagenbau hab ich mal hier ins Forum gestellt:

http://www.kleinwindanlagen.de/Forum/cf3/topic.php?t=4150

Grüße.
Jörg.
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Re: Genehmigungsantrag KWA in Berlin

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Gepostet: 04.10.2012 - 16:47 Uhr  ·  #5
Das Einzige was mir zum Thema Brandschutz noch einfällt, wäre der Vergleich mit Flugzeugpropellern, die jahrzehntelang aus Holz gebaut wurden und zum Teil immer noch werden. Da muss es ja vergleichbare Musterzulassungen und eben auch Brandschutzgutachten geben. Vielleicht kommt Ihr auf dieser Piste weiter. Ich kenne eine Piloten, der gerade ein Flugzeug für private Zwecke gebaut hat - mit dem ganzen Papierkram für die Zulassung. Der müßte eigentlich ein paar Sachverständige kennen. Ich melde mich, wenn ich fündig geworden bin.

Dieter
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Re: Genehmigungsantrag KWA in Berlin

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Gepostet: 04.10.2012 - 19:48 Uhr  ·  #6
Inzwischen habe ich den Piloten an der Strippe gehabt... Ergebnis: Eine allgemeines Brandschutzgutachten für Holz-Pro-/Repeller kann es in einem solchen Fall nicht geben, da das Teil nicht in Serie gebaut wird, sondern ein Einzelstück ist. Es müßte also ein Einzelgutachten erstellt werden, was in der Luftfahrt, Zitat "ein Schweinegeld" kostet.

Vielleicht ist ja unter den Studenten der TH jemand, dessen Vater bei der Feuerwehr arbeitet. Vielleicht geht ja von dieser Seite etwas... Ansonsten müsste es doch auch unter Euren Professoren, die ja immer mal gerne ein Gutachten abgeben, jemand geben, der das ausnahmsweise für ein "vergelt's Gott" tut.

Dieter
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Gepostet: 10.10.2012 - 21:25 Uhr  ·  #7
Hallo Jörg,

ich schätze eure Initiative sehr und möchte euch zu einem anderen Standort raten. Das Problem auf der Tempelhofer Freiheit ist nicht das Gutachten oder das verminte Erdreich. Das Problem sind Menschen, die Lust an Zerstörung haben. Ich habe vor einem Jahr ein KWA-Seminar dort veranstaltet. Gebaut wurde ein Windgenerator mit 1,2m Durchmesser und schnell laufenden 2-Blatt Repeller, auf einem ca 4m Mast. Es hielt keine 3 Tage. Jugendliche wurden beobachtet, als sie Steine in den Drehkreis warfen. Mit Erfolg. Ich habe es repariert und 4 weitere Repellersätze hinterlegt, damit der Verein Globale e.V das ggf. selbst reparieren kann. Ich glaube das niemand Lust dazu hatte als es das zweite mal zerstört wurde. Heute steht noch ein rudimentärer Rest. Soweit ich weiß, sind Windräder ein leichtes Ziel für Sabotage und nicht zu schützen.
Gruß, Heinz
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Re: Genehmigungsantrag KWA in Berlin

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Gepostet: 10.10.2012 - 21:56 Uhr  ·  #8
Das ist leider wahr... Unter vielen Tausend Besuchern reichen ein oder zwei [automatisch zensiert], die Bierflaschen in die Repeller werfen - und Eure Arbeit ist hinüber... Natürlich kann man den Ansatz verstehen, Windenergie öffentlich verständlich und sichtbar zu machen. Aber das funktioniert nur, wenn diese Öffentlichkeit auch den nötigen Respekt beweist. Und das dürfte dort manchmal nicht der Fall sein. Und nicht nur dort. Wenn hier bei uns in der Normandie tagein/nachtaus die unzähligen Jäger unterwegs sind, die aufgrund ihrer Menge kaum etwas vor die Flinte kriegen, erwarte ich auch täglich den Frustschuss in die Turbine...

Dieter
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