Strahlende Vergangenheit

 
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Strahlende Vergangenheit

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Gepostet: 20.11.2014 - 18:11 Uhr  ·  #1
Hier im „Atomland“ Frankreich geschieht gerade etwas, was demnächst noch größere Schlagzeilen machen wird. Das nukleare französische Vorzeigeunternehmen schlechthin, AREVA, wäre pleite, wenn der Staat nicht 87% der Aktien hielte. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem, dass man die Konstruktion der Kernkraftwerke neuster Generation (EPR) nicht in den Griff bekommt.

Die Anlage von Flamanville in der Normandie sollte ursprünglich 3 Milliarden kosten und 2012 ans Netz gehen. Nun sind 9 Milliarden erforderlich und der Betrieb erfolgt nicht vor 2018 – wenn überhaupt. Noch schlimmer sieht es auf der AREVA-Baustelle für einen EPR in Finnland aus, wo ebenfalls Verluste von 5-10 Milliarden zu befürchten sind.

Die Aktie von AREVA wurde zeitweise vom Börsenhandel ausgesetzt, um den Sturz ins Bodenlose zu verhindern. Inzwischen redet man hinter vorgehaltener Hand schon von der Auflösung des Unternehmens, das als Inbegriff französischen Nuklear-Knowhows galt.

Der extrem niedrige Strompreis hier von rund 15 Cents pro kWh dürfte schon sehr bald der Vergangenheit angehören. Denn es müssen auch alte Reaktoren abgerissen werden, wofür keine Rücklagen gebildet wurden. Außerdem gibt es hierzulande noch weniger Lösungen zur Lagerung von strahlendem Müll als in Deutschland, bei erheblich höheren Mengen. Und dann muss auch noch massiv in das veraltete Stromnetz investiert werden.

Wer weiß, vielleicht wird ja meine Skystream 3.7 tatsächlich doch noch betriebswirtschaftlich „rentabel“...

Dieter
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Re: Strahlende Vergangenheit

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Gepostet: 21.11.2014 - 23:49 Uhr  ·  #2
.... und dann geben die Regierungs-Englaender , diesen Versagern an Atombauern eine Garantie von 35 Jahren Einspeiseverguetung von ca 11 cent pro kWh um uns solche Drecksanlagen vor die Tuer zu stellen

Zum speien ....

http://www.windpowermonthly.co…ng-uk-deal
Zitat
UK: The UK nuclear industry is receiving more government support than the wind sector, according to independent experts responding to plans for the construction of EDF's Hinkley Point C nuclear power plant in south west England.

The government set Hinkley Point C’s strike price at £92.50/MWh (EUR 109) for its electricity for 35 years, after production begins in 2023, which will be reduced to £89.50/MWh if it develops Sizewell C, in Suffolk.
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Re: Strahlende Vergangenheit

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Gepostet: 01.12.2014 - 20:50 Uhr  ·  #3
Tja- und noch extremer ist, dass die französischen Meiler vom Typ "Batelle" sind und bei gleicher Leistung wie die Deutschen nur 1/4 des Volumens haben. Ausserdem sind die deutschen alle doppelwandig (Also innen 10 cm Stahl, dann kommt 1m Luftspalt und dann die Betonaussenhülle) während die französischen Meiler einwandig sind.
Ausserdem steht beispielsweise in Cadarache ein Meiler mitten auf einer Erdspalte.

Nun werden die deutschen Meiler rekursiv abgeschaltet und der Atomstrom kommt aus einem Land, das quasi Pleite ist (Deutschland ist auch pleite- aber das hat damit jetzt nichts zu tun). Das bedeutet, die werden die Meiler am Laufen halten, koste es, was es wolle. Weil das gigantisch Devisen bringt, wenn man D (Atom-)Strom verkauft, Und wenn's ein radioaktiver Fallout über dem Ruhrgebiet ist.
Die Deutschen kennen ja das Risiko- deswegen haben sie die Kisten ja abgeschaltet - wird dann das Argument der Franzosen sein.
Man könnte das probieren: :-)
http://www.nucleostop.de/

Der Arminius

Die Engländer haben auch das Westinghouse-Teil in Japan geliefert.
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Re: Strahlende Vergangenheit

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Gepostet: 01.12.2014 - 21:27 Uhr  ·  #4
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Re: Strahlende Vergangenheit

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Gepostet: 01.12.2014 - 22:11 Uhr  ·  #5
Zitat

Weil das gigantisch Devisen bringt, wenn man D (Atom-)Strom verkauft


Das ist so nicht richtig. Schon erst einmal währungstechnisch nicht, weil der Euro innerhalb der Eurozone keine Devise ist. Zur Praxis: Frankreich verkauft in den Sommermonaten Strom zu sehr schlechten Preisen ins Ausland, unter anderem nach Deutschland. Denn man kann die nuklearen Energieerzeuger zwar theoretisch herunterfahren. Sie kosten aber dann praktisch genau das gleiche Geld an Unterhalt (Kühlung, Personal, Abschreibung, Bewachung usw.) als ob sie in Betrieb wären. Im Winter reichen diese teuren und deshalb knapp kalkulierten Atomstrom-Kapaziäten oft nicht aus, und Frankreich kauft massiv zu den dann höheren "Winterpreisen" Strom auf dem europäischen Markt, vor allem in Deutschland. Nicht die Spur von den "gigantischen Devisengewinnen", eher das Gegenteil. Die Meiler werden am Laufen gehalten, weil der Strompreis in Frankreich eine extrem politische Bedeutung hat. Die Regierung, die ihn an die tatsächlichen Gegebenheiten anpasst, verliert mit hundertprozentiger Sicherheit die nächsten Wahlen. Die Enegriewende in Frankreich ist in frühesten 20 Jahren. Und nur dann früher, wenn es denn irgendwann zum erwartbaren GAU kommt...

Dieter
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Re: Strahlende Vergangenheit

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Gepostet: 01.12.2014 - 22:41 Uhr  ·  #6
Ihr magt mich kreuzigen .... jedoch heute wie gestern , steh ich zu "off Grid " und Batterie
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Re: Strahlende Vergangenheit

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Gepostet: 02.12.2014 - 10:00 Uhr  ·  #7
Zitat geschrieben von vitis

Das ist jetzt aber nicht Dein Ernst, oder?
http://www.nucleostop.de/

:D Da steht irgendwo ganz klein versteckt, dass das eine Satireseite ist. :D
Mit der Seite konnte ich schon manche E-Techniker begeistern!

Ah-wieder etwas gelernt. Stimmt- AKWs kann man schlecht regeln-
sie decken die Grundlast. Und ganz blöde ist es, die Brennstäbe schon fast aufgebraucht sind. Wenn man sie dann wegen eines Störfalles herunterfahren muss, gehen sie nicht mehr hoch.

Was machen denn die Franzosen mit dem vielen A-Strom? Vermutlich Elektroheizung-oder so...

Der Arminius
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Re: Strahlende Vergangenheit

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Gepostet: 02.12.2014 - 13:01 Uhr  ·  #8
Zitat

Was machen denn die Franzosen mit dem vielen A-Strom? Vermutlich Elektroheizung-oder so...


Genau! Und weil die meisten Gebäude richtig schlecht isoliert sind, kann auch richtig viel davon verbraten. Wenn es frostig kalt ist, dann stehen der französische Südosten und die Bretagne kurz vor dem Breakdown und die Bevölkerung wird gebeten, auszuschalten was eben auszuschalten ist. Auch hier in der Normandie habe ich dann die Netzspannung schon auf 215 Volt runtergehen sehen.

In den Sommermonaten sorgen die in Südfrankreich weit verbreiteten Klimaanlagen für einen hübschen Verbrauch. Übrigens zieht sich nach meinen Informationen der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV ein Drittel mehr als sein deutscher Kollege aus der Oberleitung...

Dieter
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