N'Abend an die Runde,
ich denke es ist an der Zeit, dass von dem durchströmten Profil mal Daten bezüglich Auftriebsbeiwert und Widerstandsbeiwert ermittelt werden. Selbst wenn die Messunsicherheit + - 10% beträgt, erst wenn da Ergebnisse vor liegen, wird sich die Fachwelt der genauen Analyse annehmen, die dem Herrn v. Canstein bisher immer die kalte Schulter gezeigt hat.
So solide, wie die Messplätze bei acrobär aus sehen und vermutlich bei BerndH auch, sollte das leistbar sein.
Dabei kommt zugute, dass es nicht nötig sein wird, im gekrümmten Luftstrahl zu arbeiten, wie folgende Darstellung zeigt, und damit bin ich mir ziemlich sicher:
Es handelt sich also um die Wirksamkeit einer geraden Platte, mit einer, im Querschnitt kalottenförmigen Anfahrhilfe in sinnvollem Abstand zur Nasenkante. Immerhin, die gerade Platte erzeugt auch Auftrieb. Zwar nur verwertbar bis Anstellwinkel ca. 6°, und dann auch nur mit Beiwert 0,6, bei schon reichlichem Widerstandbeiwert von 0,07, aber immerhin. Wie sagen doch die Flugmodellbauer - mit dem richtigen Motor fliegt jedes Brett.
Die gekrümmte Platte hat schon wesentlich bessere Werte. Da geht der Auftriebsbeiwert bei 10% Profildicke schon bis 1,5. Deshalb ist es sinnvoll, auch mal das gekrümmte Profil zu messen. Immerhin soll ja man damit auch fliegen können.
Was positive Überraschungen bereiten kann ist der Umstand, dass der gebundene Wirbel, der den Auftrieb erzeugt, um das profil kreisen kann, da Kalotte einen gewissen Abstand zur Nasenkante hat. Der Auftrieb entsteht nämlich eher nicht dadurch, dass die Luft auf der Oberseite einen größeren Weg hat - wie soll das gehen, bei der geraden oder gekrümmten Platte? In Scripten von Hochschulvorlesungen findet man zum Auftriebsprinzip allgemein so etwas:

Beim Anfahren entsteht durch die Schrägstellung an der Hinterkante ein Anfahrwirbel, der entgegen gesetzt um den Flügel einen gebundenen Wirbel verursacht. Erst wenn sich der Anfahrwirbel abgelöst hat ist der gebundene Wirbel und damit der Auftrieb voll entwickelt. Der gebundene Wirbel, der offensichtlich durch die Strömung auch danach noch mehr oder weniger angetrieben wird, werursacht messbare Geschwindigkeitsunterschiede auf beiden Profilseiten, die den Auftrieb dann wie bekannt erzeugen. Ab da decken sich wieder die Theorien. Dieser gebundene Wirbel wird also vom durchströmten Profil möglicherweise nicht wesentlich behindert.
Es muss also ein Messprofil her, nicht größer, als dass es in einen Bereich des Luftstromes mit gleichmäßiger Geschwindigkeit passt. Endscheiben sind wichtig, sonst verstärkter induzierter Widerstand (durch Randwirbelentwicklung). Dann muss die Auftriebsgleichung bemüht werden und die Auftriebskraft für diese Fläche bei dieser Luftgeschwindigkeit ermittelt werden, vielleicht für den Auftriebsbeiwert 1. Danach muss eine Kraftmesseinrichtung besorgt werden, die diesen Wert anzeigen kann, aber auch noch 1/10 davon einigermaßen genau. Federwaagen wären geeignet, aber so um den 100Gramm-Bereich. Geräte für den Physikunterricht, keine Fischwaagen. Vielleicht auch elektronische Briefwaagen.
Normalerweise ist der Widerstand um mindestens eine Zehnerpotenz geringer zu erwarten, aber da es hier sinnvoll ist, den ganzen Anstellwinkel- Bereich von 180 bzw. 360° zu erfassen, kann das etwa der selbe Messbereich sein.
Dann braucht man noch eine Möglichkeit, das Profil im definierten Anstellwinkel in den Luftstrahl zu bringen (Winkelmesser) und einen Stab, an dessem Ende eine kardanische Aufhängung ist, die Bewegungen in die Vertikale und Horizontale ermöglicht, Drehbewegungen aber sperrt. Vielleicht genügt so ein Teil aus einem Nusskasten, wenn es nicht zu viel Spiel hat. Mehr als +- 1° sollte es nicht sein. Geht alles in die Genauigkeit des Anstellwinkels ein. Übrigens sollte das Geschwindigkeitsfeld auch bei Querstellung des Messprofils zum Luftstrom auch noch genügend homogen sein.
Vielleicht lässt sich auch ein Physiklehrer begeistern. Zumindest am Gymnasium sollte sich so eine Apparatur zusammen stellen lassen.
Bei den Messungen sind die Anstellwinkel-Intervalle in den ersten 20° eng zu halten. Vielleicht alle 3° eine Messung. Danach können es ruhig Sprünge von 30° sein.
Ideal wäre noch, wenn zum Wirbelbrechen nach dem Propeller zumindest eine Lage engmaschiger Maschendraht gebracht wird. Sog. Karnickeldraht z.B., wobei eine noch engere Maschenweite, vielleicht 15-10mm noch besser wäre. Streckmetall, so wie beim Industrielüfter von BerndH könnte schon wieder eine Querkomponente rein bringen. Apropos quer, um den Luftschraubendrall zu kompensieren müssten Elemente aus gekreuzten Blechstreifen verwendet werden, wie z.B. Kellerfenster-Schachtabdeckungen, möglichst gekreuzt übereinander. Aber vielleicht beginnt ihr erstmal mit weniger Aufwand.
Nach den Messungen muss wieder die Auftriebsgleichung bemüht werden und nach dem Auftriebsbeiwert umgestellt. Mit der Widerstandsgleichung ist ähnlich zu verfahren.
Mit den gewonnen Datenpaaren, immer jeweils für einen Anstellwinkel kann man dann eine sog. Polare zeichnen, wobei die Daten alleine zur Einschätzung der Profilwirksamkeit schon genügen. Diese sind sicher für Viele von brennendem Interesse.
So, nun will ich es damit bewenden lassen. Womöglich ist Euch das eh alles klar.
Wenn noch Fragen, gerne. Vielleicht über privaten Zugang, wenn nich von allgemeinem Interesse. Wer Daten von Profilen braucht – private E-mailadresse angeben.
Gruß, Andreas